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Der Beitrag von Herbert Eitner ist sehr interessant. Für die Zeit 1966 1970 noch folgende Ergänzungen aus eigenem Erleben.

In diesem wurde vorübergehend die Ausbildungsform Abitur mit Berufsausbildung eingeführt. Alle Schüler haben obligatorisch neben dem Schulbesuch ( z.B. von Mo Do an der Freitagen und Sonnabenden, später auch alle 4 Wochen für eine ganze Woche) an einer Berufsausbildung teilgenommen um zusammen mit dem Abitur auch einen Facharbeiterbrief zu erwerben. So war ich im Gummiwerk Berlin Weißensee und wurde Gummifacharbeiter: Andere Schüler wurden im Wasserwerk Fhg. zu Abwassertechnikern oder im Fotochemiewerk zu Elektrotechnikern (immer eine Klasse ein Beruf).

Die Klassen wurden nach Berufswunsch(man wählte möglichst das geringste Übel oder wurde zugeteilt) zusammengestellt und die Schüler kamen aus allen Stadtbezirken und einige auch aus Schöneiche.

Von den großen Ferien fehlten in dieser Zeit immer 3 Wochen für ein Praktikum im Ausbildungsbetrieb, meistens mit Schichtarbeit und zum feststehenden Lehrgeld von 40 M in der 9. Klasse bis 70 M in der 12. Klasse (je Monat).

Das Experiment wurde nach den Abiturjahrgang 197O abgebrochen, da wohl die wenigsten Abgänger später einen Beruf ergriffen haben, der mit der Berufsausbildung in der Schulzeit zu tun. Auch wurden durch den engen Kontakt der Schüler zur realen Arbeiterschaft die staatstragenden Parolen von der herrschenden Klassead absurdum geführt und waren nicht mehr wünschenswert.

Die Schülerzeitung hieß in diesen Jahren GHS-Reporterund wurde auf Wachsmatritzen oder mit Ormig-Papier vervielfältigt und z.T. mit Original-Fotografien bebildert. Insgesamt war der Inhalt Konform, in Glossen konnten zuweilen (dosiert) Probleme angesprochen werden. Tenor war, wir sind alles gute Sozialisten, das aber auf unsere individuelle und originelle Art.

Zu einem Eklat kam es am letzten Schultag vor dem Abitur 1970, wo ein von den Schülern veranstalteter Trauerzug fast alle in Schwarz mit einem Kreuz, Kerzen, einem Sarg und reichlich Getränken zwecks Beerdigung von Schulbüchern und Klassenarbeiten zum Teppich zog.

Die Aktion wurde als unerlaubte Demonstration und politische Provokation gedeutet (in Kassel hatten bei dem am Vortag stattgefundenen Besuch von W.Stoph bei W.Brand Westdeutsche mit Kerzen gegen die Mauertoten protestiert) und auf dem Rückweg kam es zu vorübergehenden Festnahmen.

Die Konsequenzen waren nicht so gravierend, da der Anteil von Kindern höherer Funktionäre bei diesem Abi-Jahrgang relativ hoch war. Das galt sicher auch 1968 als die Beifallsbekundungen für den Einmarsch in die Tschechoslowakei seitens der Schüler trotz mehrfacher Aufforderungen ausgeblieben sind. An anderen Schulen gab es dafür Schulverweise.

Klaus Schabinski 1966 - 1970

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