Deutschland und seine koloniale Vergangenheit

Im Geschichtsunterricht beschäftigten wir uns mit dem ersten Völkermord im 20. Jahrhundert, nämlich den der Deutschen an den Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie Deutsch- Südwestafrika, dem heutigen Namibia, im Jahre 1904. Frau Fischer, unsere Lehrerin, hatte deshalb für uns eine Geschichtswerkstatt zur Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“ im Deutschen Historischen Museum Ende November organisiert. Nach drei Stunden Unterricht trafen wir uns dort. Während einer kurzen Einstimmung, wir beschrieben ein Foto, auf dem ein unterspülter Bahndamm zwischen Keetmanshoop und Lüderitz zu sehen ist, verschafften wir uns an einer großen Weltkarte einen Überblick über die Kolonien der europäischen Großmächte vor dem 1. Weltkrieg. Danach arbeiteten wir in verschiedenen Gruppen zu unterschiedlichen Themen: Tansania und der Maji Maji-Aufstand, Deutsche in Kiantschou, Manga Bell und Hendrik Witbooi, die Sarotti-Figur bis 2004 und Carl Peters, der wegen grausamer Verbrechen seines Amtes enthoben wurde. Dazu machten wir uns vielfältige Notizen und betrachteten aufmerksam die Exponate. Meine Gruppe hatte über medizinische Ausstellungsobjekte zu recherchieren, die die ersten Schritte zur Impfung gegen Tropenkrankheiten einleiten sollten. Danach stellte jedes Team in einer Führung den anderen ein besonderes Exponat vor.

Dieses schwierige Kapitel ist in der deutschen Geschichte noch nicht abgeschlossen, zumal die Vertreter der Herero und Nama eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht haben. Sie fordern eine Entschädigungszahlung wegen der Vernichtung von über 75% dieser Volksgruppe. Erst im Sommer 2015 hat Deutschland diesen Tatbestand als Völkermord anerkannt.

Nico H.