{"id":66,"date":"2013-09-27T18:19:54","date_gmt":"2013-09-27T16:19:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ghs-berlin.de\/?page_id=66"},"modified":"2017-12-14T12:10:26","modified_gmt":"2017-12-14T10:10:26","slug":"die-gruenderjahre","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ghs-berlin.de\/?page_id=66","title":{"rendered":"Die Gr\u00fcnderjahre"},"content":{"rendered":"[et_pb_section bb_built=&#8220;1&#8243;][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.0.91&#8243; background_layout=&#8220;light&#8220;]\n<h1 style=\"text-align: center;\">Die Gr\u00fcnderjahre<\/h1>\n[\/et_pb_text][et_pb_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nach l\u00e4ngerer Debatte wurde mit neun gegen sieben Stimmen beschlossen, zum 1. April 1900 eine h\u00f6here Knabenschule und zwar mit 3 Vorschulklassen und Sexta sowie Quinta auf Gemeindekosten zu errichten. Die durch das zur Erhebung kommende Schulgeld nicht gedeckten Ausgaben werden durch Erh\u00f6hung der Umsatzsteuer aufgebracht. Mit 11 Stimmen wurde beschlossen, kein Realgymnasium sondern ein Progymnasium, wie angegeben bis inclusive Quinta zu errichten.&#8220;<br \/>\n<i>(aus dem Protokoll der Gemeindevertretersitzung von Friedrichshagen, vom 29. August 1899)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.ghs-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Header-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-188 alignright\" src=\"https:\/\/www.ghs-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Header-1.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.ghs-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Header-1.jpg 350w, https:\/\/www.ghs-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Header-1-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.ghs-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Header-1-250x142.jpg 250w, https:\/\/www.ghs-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Header-1-150x85.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Die letzte Unklarheit, die noch bez\u00fcglich der Schulgattung bestand, beseitigte der Ortsvorsteher durch eine R\u00fccksprache mit dem zust\u00e4ndigen Justitiar im Provinzial &#8211; Schulkollegium. Auf die sicherlich gut gemeinte, aber recht anfechtbare Angabe Kluts hin, dass in Friedrichshagen besonders das h\u00f6here Beamtentum vertreten sei, riet der Herr Justitiar zu einer humanistischen Anstalt. Man entschied sich gem\u00e4\u00df diesem Ratschlage f\u00fcr eine solche. Die neue Schule wurde durch den Ministerialerlass vom 21. Februar 1900 als ein &#8222;in der Entwicklung begriffenes Progymnasium&#8220; anerkannt und ihre Er\u00f6ffnung mit den drei Vorschulklassen, der Sexta, und der Quinta zu Ostern 1900 genehmigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwierig war die Frage der Unterbringung der jungen Anstalt zu l\u00f6sen. Ein f\u00fcr die Gemeindem\u00e4dchenschule bestimmtes, gro\u00dfes Schulhaus war im Bau begriffen. Die Fertigstellung war aber erst zu Michaelis 1900 zu erwarten. Bis dahin musste also die Gemeindeschule in ihrem alten Heim, dem Schulhause an der Kirche, das sp\u00e4ter mehrfach seine Bestimmung gewechselt hat, verbleiben. Andere Schulr\u00e4ume der Gemeinde konnten nicht frei gemacht werden. Es blieb daher nichts weiter \u00fcbrig, als das Progymnasium zun\u00e4chst in dem Seitenfl\u00fcgel des Grundst\u00fccks Scharnweberstra\u00dfe 38 unterzubringen, den bisher die M\u00fcllersche Privatschule innegehabt hatte. Er hatte im Erdgescho\u00df und 1. Stock je eine aus zwei zweifenstrigen Zimmern, einer K\u00fcche und einer schmalen Kammer bestehende Wohnung. Das Haus konnte also nur vier Klassen, die Quinta, Sexta und die beiden obersten Vorschulklassen, aufnehmen und die f\u00fcnfte, die 3. Vorschulklasse, wurde in einen Klassenraum der in der Scharnweberstra\u00dfe schr\u00e4g gegen\u00fcberliegenden h\u00f6heren M\u00e4dchenschule verlegt, den Herr Direktor Franke in entgegenkommender Weise zur Verf\u00fcgung stellte.<br \/>\nAm letzten Schultage vor den Osterferien 1900 fand sich das Kollegium im neuen Rathause zusammen, um mit den f\u00fcr die Schule angemeldeten Sch\u00fclern die Aufnahmepr\u00fcfung vorzunehmen. Dann folgte die kurze Ruhepause der Ferien, und nun konnte das Werk beginnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 19. April war der erste Tag des neuen Schuljahres, ein klarer, sonniger Fr\u00fchlingstag. 10 Quintaner, 24 Sextaner und 52 Vorsch\u00fcler, zusammen also 86 Z\u00f6glinge, waren von ihren Eltern der jungen Anstalt anvertraut worden und fanden sich auf dem Schulhof ein. Mit frohem Mut ging es an die Arbeit, unbek\u00fcmmert um die D\u00fcrftigkeit der \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse. Diese lie\u00dfen allerdings sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Die vier Unterrichtsr\u00e4ume gingen noch an, wenn es auch unangenehm war, dass die Klasse der Quinta nur durch eine andere Klasse hindurch zu erreichen war, die Quintaner w\u00e4hrend der Unterrichtsstunden also gewisserma\u00dfen gefangen sa\u00dfen. Schlimm sah es aber mit den \u00fcbrigen R\u00e4umlichkeiten aus. Die K\u00fcche im Obergeschoss wurde das Amtszimmer des Leiters, die darunter liegende K\u00fcche das Lehrerzimmer. Auf einem Herd thronte der Schulglobus. Die beiden Kammern nahmen die Sch\u00fclergarderobe auf. Ein Lehrmittelzimmer fehlte, war auch nicht n\u00f6tig, denn die Schule besa\u00df an Lehrmitteln au\u00dfer dem Globus nur zwei Wandkarten, und diese fanden bequem noch in der Lehrerk\u00fcche Platz. Die Schulb\u00e4nke \u00e4ltester Art waren von der Privatschule \u00fcbernommen worden. Einige dazu gekaufte B\u00fcrom\u00f6bel vervollst\u00e4ndigten die Ausstattung der R\u00e4ume.<br \/>\nZu Michaelis 1900 bezog die Gemeindem\u00e4dchenschule ihr neues Heim in der Wilhelmstra\u00dfe. Das dadurch frei gewordene alte Schulhaus wurde dem Progymnasium \u00fcberlassen und gew\u00e4hrte diesem viereinviertel Jahre lang Unterkunft. Selbstverst\u00e4ndlich bildete es auch nur einen Notbehelf, aber es bedeutete nach einem geringf\u00fcgigen Umbau dem verlassenen Mietshause gegen\u00fcber einen erheblichen Fortschritt. Es hatte in jedem seiner beiden Geschosse 4 gro\u00dfe Schulr\u00e4ume, ein mittleres und ein kleines Zimmer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des 2. Schuljahres, also Ostern 1901, wurde die Quarta er\u00f6ffnet. Sie z\u00e4hlte 13 Sch\u00fcler. Die Quinta hatten 26, die Sexta 30, die erste Vorschulklasse gleichfalls 30, die 2. Vorschulklasse 19 und die 3. Vorschulklasse 24 Knaben. Die Gesamtsch\u00fclerzahl betrug also 143. So kam der Beginn des 3. Schuljahres heran. Von den 11 Quartanern des zweiten Schuljahres r\u00fcckten 10 in die neue Untertertia auf. In der Quarta betrug die Sch\u00fclerzahl 22, in der Quinta 27, in der Sexta 38, in der Vorschule 64. Die ganze Anstalt z\u00e4hlte mithin zu Ostern 1902 161 Sch\u00fcler. Ostern 1903 wurde die Obertertia er\u00f6ffnet. Zu den zehn Untertertianern des Sommerhalbjahres 1902 hatte sich zu Michaelis ein elfter gesellt. Alle elf wurden versetzt. Die neue Klasse z\u00e4hlte somit 11 Sch\u00fcler. Die Untertertia hatte 21, die Quarta 31, die Quinta 35, die Sexta 34, die gesamte Hauptanstalt also 132 Sch\u00fcler. In den drei Vorschulklassen sa\u00dfen zusammen 78 Kinder, so dass die Gesamtsch\u00fclerzahl 210 betrug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem weiteren Anwachsen der Schule machte sich die Unzul\u00e4nglichkeit der R\u00e4ume von Jahr zu Jahr mehr geltend, das Fehlen einer eigenen Turnhalle und eines Zeichensaals, vor allem aber, von der Einrichtung der Obertertia ab, eines physikalisch &#8211; chemischen Lehrzimmers wurde immer mehr als ein gro\u00dfer Missstand empfunden. Die Gemeinde sah ein, dass sie sich ihrer Verpflichtung, ein neues Schulhaus zu bauen, nicht l\u00e4nger entziehen konnte. In der Sitzung vom 30. Oktober 1903 wurde daher beschlossen, die Ausf\u00fchrung dieses Planes ernstlich ins Auge zu fassen. Die Gemeinde besa\u00df von dem Grund und Boden, auf dem jetzt [1925, d.A.1 die K\u00f6nig &#8211; Friedrich &#8211; Schule steht, nur etwa die H\u00e4lfte, die andere H\u00e4lfte musste also f\u00fcr den Fall, dass dieser Platz gew\u00e4hlt w\u00fcrde, hinzugekauft werden, ebenso f\u00fcr einen etwaigen sp\u00e4teren Erweiterungsbau die Grundst\u00fccke n\u00f6rdlich von der jetzigen Umfassungsmauer. Nun wurden in den letzten Monaten des Jahres 1903 und den ersten des Jahres 1904 die Vorarbeiten so schnell gef\u00f6rdert, dass der generelle Bauplan bereits am 15. Februar 1904 fertig vorlag und der vorgesetzten Beh\u00f6rde unterbreitet werden konnte. Am B. M\u00e4rz erteilte diese ihre Genehmigung. Die Bauarbeiten konnten daher im Juli desselben Jahres in Angriff genommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit 8 Sch\u00fclern wurde Ostern 1904 die Untersekunda er\u00f6ffnet, die sechs Klassen der Hauptanstalt hatten zusammen 154, die drei Vorschulklassen zusammen 84 Sch\u00fcler, die ganze Anstalt z\u00e4hlte also 238 Knaben. Einzelne Klassen waren stark besetzt, in der Sexta sa\u00dfen z. B. 46 Jungen, in der Quarta 34. Im Laufe des Schuljahres musste die gro\u00dfe Revision stattfinden und, wenn diese gl\u00fccklich verlief, die erste Schlusspr\u00fcfung abgehalten werden. Das ganze Jahr stand also unter dem Zeichen emsigster Arbeit auf allen Klassenstufen, ganz besonders aber in der Untersekunda, der ja die ehrende Aufgabe zufiel, das Sch\u00fclermaterial f\u00fcr die Pr\u00fcfung zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Grund des Ausfalls der ersten Schlusspr\u00fcfung wurde die Schule durch Ministerialverf\u00fcgung vom 5.4.1905 als vollberechtigtes Realprogymnasium anerkannt. Inzwischen hatte der Neubau des Schulhauses gute Fortschritte gemacht. Die Au\u00dfenmauern waren in die H\u00f6he gewachsen, und das Dach war gedeckt. Die Innenarbeiten wurden im Laufe des Sommers flei\u00dfig gef\u00f6rdert. In der Tat fand am 6. Januar 1906 die Einweihung des Geb\u00e4udes statt, das im Inneren das Vorbild eines modernen Schulhauses und im \u00c4u\u00dferen eine Zierde des Ortes geworden war. Die Sch\u00fclerzahl \u00fcberstieg Ostern 1907 das dritte Hundert. Die Besuchsziffern der unteren und der Vorschulklassen waren recht hohe. In Quinta sa\u00dfen z. B. 47, in Vl. gar 56 Knaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Schuljahre brachten im Besonderen in den Kriegsjahren tiefgreifende Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums und damit in der Unterrichtsverteilung. So ist es interessant zu erw\u00e4hnen, dass im Jahre 1916 Bruno Wille f\u00fcr kurze Zeit als Deutschlehrer an der &#8222;K\u00f6nig &#8211; Friedrich &#8211; Schule&#8220; gearbeitet hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Beginn des Schuljahres 1919\/20 bedeutet in der Entwicklung der K\u00f6nig &#8211; Friedrich &#8211; Schule einen Wendepunkt. Wie im politischen, so trat auch im Schulleben eine Beruhigung ein. Nach wenigen Wochen hatten sich die neuen Mitglieder in das Kollegium eingef\u00fcgt, und es setzte nun eine Zeit planvoller, eifriger Arbeit ein, um wieder aufzubauen, was die Kriegsjahre vernichtet hatten. Es war ein schweres Werk, denn die L\u00fccken im Wissen der Sch\u00fcler und die Lockerung der Schulzucht waren erheblich. Wie konnte es bei dem h\u00e4ufigen Lehrerwechsel und der unzureichenden Zusammensetzung des Lehrerkollegiums auch anders sein! Aber der geordnete Unterrichtsbetrieb, der nun wieder Platz griff, brachte die Schule wieder vorw\u00e4rts.<\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><div class=\"et_pb_row et_pb_row_0 et_pb_row_empty\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div> Die Gr\u00fcnderjahre <div class=\"et_pb_module et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div> &#8222;Nach l\u00e4ngerer Debatte wurde mit neun gegen sieben Stimmen beschlossen, zum 1. April 1900 eine h\u00f6here Knabenschule und zwar mit 3 Vorschulklassen und Sexta sowie Quinta auf Gemeindekosten zu errichten. 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Stock je eine aus zwei zweifenstrigen Zimmern, einer K\u00fcche und einer schmalen Kammer bestehende Wohnung. Das Haus konnte also nur vier Klassen, die Quinta, Sexta und die beiden obersten Vorschulklassen, aufnehmen und die f\u00fcnfte, die 3. Vorschulklasse, wurde in einen Klassenraum der in der Scharnweberstra\u00dfe schr\u00e4g gegen\u00fcberliegenden h\u00f6heren M\u00e4dchenschule verlegt, den Herr Direktor Franke in entgegenkommender Weise zur Verf\u00fcgung stellte.<br \/> Am letzten Schultage vor den Osterferien 1900 fand sich das Kollegium im neuen Rathause zusammen, um mit den f\u00fcr die Schule angemeldeten Sch\u00fclern die Aufnahmepr\u00fcfung vorzunehmen. Dann folgte die kurze Ruhepause der Ferien, und nun konnte das Werk beginnen.<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Der 19. April war der erste Tag des neuen Schuljahres, ein klarer, sonniger Fr\u00fchlingstag. 10 Quintaner, 24 Sextaner und 52 Vorsch\u00fcler, zusammen also 86 Z\u00f6glinge, waren von ihren Eltern der jungen Anstalt anvertraut worden und fanden sich auf dem Schulhof ein. Mit frohem Mut ging es an die Arbeit, unbek\u00fcmmert um die D\u00fcrftigkeit der \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse. Diese lie\u00dfen allerdings sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Die vier Unterrichtsr\u00e4ume gingen noch an, wenn es auch unangenehm war, dass die Klasse der Quinta nur durch eine andere Klasse hindurch zu erreichen war, die Quintaner w\u00e4hrend der Unterrichtsstunden also gewisserma\u00dfen gefangen sa\u00dfen. Schlimm sah es aber mit den \u00fcbrigen R\u00e4umlichkeiten aus. Die K\u00fcche im Obergeschoss wurde das Amtszimmer des Leiters, die darunter liegende K\u00fcche das Lehrerzimmer. Auf einem Herd thronte der Schulglobus. Die beiden Kammern nahmen die Sch\u00fclergarderobe auf. Ein Lehrmittelzimmer fehlte, war auch nicht n\u00f6tig, denn die Schule besa\u00df an Lehrmitteln au\u00dfer dem Globus nur zwei Wandkarten, und diese fanden bequem noch in der Lehrerk\u00fcche Platz. Die Schulb\u00e4nke \u00e4ltester Art waren von der Privatschule \u00fcbernommen worden. Einige dazu gekaufte B\u00fcrom\u00f6bel vervollst\u00e4ndigten die Ausstattung der R\u00e4ume.<br \/> Zu Michaelis 1900 bezog die Gemeindem\u00e4dchenschule ihr neues Heim in der Wilhelmstra\u00dfe. Das dadurch frei gewordene alte Schulhaus wurde dem Progymnasium \u00fcberlassen und gew\u00e4hrte diesem viereinviertel Jahre lang Unterkunft. Selbstverst\u00e4ndlich bildete es auch nur einen Notbehelf, aber es bedeutete nach einem geringf\u00fcgigen Umbau dem verlassenen Mietshause gegen\u00fcber einen erheblichen Fortschritt. Es hatte in jedem seiner beiden Geschosse 4 gro\u00dfe Schulr\u00e4ume, ein mittleres und ein kleines Zimmer.<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des 2. Schuljahres, also Ostern 1901, wurde die Quarta er\u00f6ffnet. Sie z\u00e4hlte 13 Sch\u00fcler. Die Quinta hatten 26, die Sexta 30, die erste Vorschulklasse gleichfalls 30, die 2. Vorschulklasse 19 und die 3. Vorschulklasse 24 Knaben. Die Gesamtsch\u00fclerzahl betrug also 143. So kam der Beginn des 3. Schuljahres heran. Von den 11 Quartanern des zweiten Schuljahres r\u00fcckten 10 in die neue Untertertia auf. In der Quarta betrug die Sch\u00fclerzahl 22, in der Quinta 27, in der Sexta 38, in der Vorschule 64. Die ganze Anstalt z\u00e4hlte mithin zu Ostern 1902 161 Sch\u00fcler. Ostern 1903 wurde die Obertertia er\u00f6ffnet. Zu den zehn Untertertianern des Sommerhalbjahres 1902 hatte sich zu Michaelis ein elfter gesellt. Alle elf wurden versetzt. Die neue Klasse z\u00e4hlte somit 11 Sch\u00fcler. Die Untertertia hatte 21, die Quarta 31, die Quinta 35, die Sexta 34, die gesamte Hauptanstalt also 132 Sch\u00fcler. 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Die Gemeinde besa\u00df von dem Grund und Boden, auf dem jetzt [1925, d.A.1 die K\u00f6nig - Friedrich - Schule steht, nur etwa die H\u00e4lfte, die andere H\u00e4lfte musste also f\u00fcr den Fall, dass dieser Platz gew\u00e4hlt w\u00fcrde, hinzugekauft werden, ebenso f\u00fcr einen etwaigen sp\u00e4teren Erweiterungsbau die Grundst\u00fccke n\u00f6rdlich von der jetzigen Umfassungsmauer. Nun wurden in den letzten Monaten des Jahres 1903 und den ersten des Jahres 1904 die Vorarbeiten so schnell gef\u00f6rdert, dass der generelle Bauplan bereits am 15. Februar 1904 fertig vorlag und der vorgesetzten Beh\u00f6rde unterbreitet werden konnte. Am B. M\u00e4rz erteilte diese ihre Genehmigung. Die Bauarbeiten konnten daher im Juli desselben Jahres in Angriff genommen werden.<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Mit 8 Sch\u00fclern wurde Ostern 1904 die Untersekunda er\u00f6ffnet, die sechs Klassen der Hauptanstalt hatten zusammen 154, die drei Vorschulklassen zusammen 84 Sch\u00fcler, die ganze Anstalt z\u00e4hlte also 238 Knaben. Einzelne Klassen waren stark besetzt, in der Sexta sa\u00dfen z. B. 46 Jungen, in der Quarta 34. Im Laufe des Schuljahres musste die gro\u00dfe Revision stattfinden und, wenn diese gl\u00fccklich verlief, die erste Schlusspr\u00fcfung abgehalten werden. Das ganze Jahr stand also unter dem Zeichen emsigster Arbeit auf allen Klassenstufen, ganz besonders aber in der Untersekunda, der ja die ehrende Aufgabe zufiel, das Sch\u00fclermaterial f\u00fcr die Pr\u00fcfung zu stellen.<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Auf Grund des Ausfalls der ersten Schlusspr\u00fcfung wurde die Schule durch Ministerialverf\u00fcgung vom 5.4.1905 als vollberechtigtes Realprogymnasium anerkannt. Inzwischen hatte der Neubau des Schulhauses gute Fortschritte gemacht. Die Au\u00dfenmauern waren in die H\u00f6he gewachsen, und das Dach war gedeckt. Die Innenarbeiten wurden im Laufe des Sommers flei\u00dfig gef\u00f6rdert. In der Tat fand am 6. Januar 1906 die Einweihung des Geb\u00e4udes statt, das im Inneren das Vorbild eines modernen Schulhauses und im \u00c4u\u00dferen eine Zierde des Ortes geworden war. Die Sch\u00fclerzahl \u00fcberstieg Ostern 1907 das dritte Hundert. Die Besuchsziffern der unteren und der Vorschulklassen waren recht hohe. In Quinta sa\u00dfen z. B. 47, in Vl. gar 56 Knaben.<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Schuljahre brachten im Besonderen in den Kriegsjahren tiefgreifende Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums und damit in der Unterrichtsverteilung. So ist es interessant zu erw\u00e4hnen, dass im Jahre 1916 Bruno Wille f\u00fcr kurze Zeit als Deutschlehrer an der \"K\u00f6nig - Friedrich - Schule\" gearbeitet hat.<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Der Beginn des Schuljahres 1919\/20 bedeutet in der Entwicklung der K\u00f6nig - Friedrich - Schule einen Wendepunkt. Wie im politischen, so trat auch im Schulleben eine Beruhigung ein. Nach wenigen Wochen hatten sich die neuen Mitglieder in das Kollegium eingef\u00fcgt, und es setzte nun eine Zeit planvoller, eifriger Arbeit ein, um wieder aufzubauen, was die Kriegsjahre vernichtet hatten. Es war ein schweres Werk, denn die L\u00fccken im Wissen der Sch\u00fcler und die Lockerung der Schulzucht waren erheblich. 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